29.09.2016

IUNO - Planspiel bei Trumpf

Darmstadt, 09. September 2016 - Die im Anwendungsfall beteiligten IUNO-Projektpartner kamen am Dienstag erneut bei TRUMPF in Ditzingen zusammen, um anhand eines Planspiels die in der Praxis erforderlichen Schutzmaßnahmen für „Sichere Daten“ zu erarbeiten. Die Teilnehmer nahmen dafür die Rollen der wichtigsten Akteure des Technologiedatenmarktplatzes ein, um die unterschiedlichen Handlungsfelder und Interessen der Akteure zu beleuchten, die dabei entstehenden Sicherheitsrisiken für die Technologiedaten zu benennen und neue sowie bestehende Schutzmaßnahmen zu testen.

Der Schutz der Technologiedaten vor unberechtigter Nutzung oder Weitergabe ist entscheidend für den Erfolg des Anwendungsszenarios „Technologiedatenmarktplatz“. Deshalb werden im Rahmen von IUNO, dem Nationalen Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in Industrie 4.0, Methoden und Konzepte entwickelt, um Technologiedaten während ihres gesamten Lebenszyklus zu schützen. Nur auf diese Weise kann das nötige Vertrauen unter den Marktteilnehmern gewonnen werden. Ein geeignetes Lizenzmanagement sowie eine adäquate Verschlüsselung verhindern dabei eine unberechtigte Nutzung und sorgen für den Schutz der Daten. Die im Anwendungsszenario beteiligten IUNO-Projektpartner trafen sich nun erneut in Ditzingen, um die bereits theoretisch erarbeiteten Maßnahmen zum Schutz der Daten in der Praxis zu testen. Dafür schlüpften die Partner in die Rolle der wichtigsten Akteure des Technologiedatenmarktplatzes und bildeten mit der Besetzung „Technologiedatenhersteller“, „Technologiedatenmarktplatzbetreiber“ sowie „Maschinenbetreiber“ mit „Maschine“ eine reale Prozesskette für den Durchlauf der Technologiedaten. In den einzelnen Spielrunden wurden die verschiedenen Möglichkeiten der unberechtigten Nutzung oder gar der Offenlegung der Technologiedaten simuliert und festgehalten. Auch wurde spielerisch geprüft, welche Verschlüsselungstechnik für die sichere Nutzung der Daten am besten geeignet ist. Nach jedem Spieldurchlauf diskutierten die Spielteilnehmer Sicherheitsbedrohungen und bewerteten deren Eintrittswahrscheinlichkeit sowie dessen Schadensausmaß, um daraus Schutzmaßnahmen für die größte Bedrohung zu erarbeiten. In der nächsten Spielrunde wurde die neue Schutzmaßnahme auf Wirksamkeit und Handhabbarkeit untersucht und bewertet.

Der Einsatz verschiedener Schlüsselsymbole aus der Welt der Kryptografie half dabei, aktuelle Sicherheitsbedrohungen zu verdeutlichen und Schutzmaßnahmen konkret zu benennen. In insgesamt elf Spielrunden wurde die praktische und sichere Anwendung von Kryptografie und Technologiedaten getestet und Maßnahmen für den weiteren Projektverlauf abgeleitet. In der Abschlussdiskussion konnten konkrete Methoden benannt und festgehalten werden, die den Schutz der Technologiedaten sicherstellen. Die nächsten Projektschritte sehen nun die Ausarbeitung möglicher Geschäftsmodelle vor.

Die Methode
Das Planspiel ist eine handlungsorientierte und praxisnahe Methode, um komplexe Inhalte verständlich und lösungsorientiert zu vermitteln. Die Spielteilnehmer übernehmen dabei die Rolle von Akteuren innerhalb eines vorgegeben Szenarios, um einen möglichst praxisbezogenen Einblick in gezielte Problemstellungen zu bekommen. In der vorgegebenen Rolle treffen die Teilnehmer Entscheidungen, geben lösungsorientierte Ansätze vor und erfahren dabei auch die Konsequenzen ihres eigenen Handelns. Diese Herangehensweise gewinnt in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft immer mehr an Bedeutung.

Über das Szenario Technologiedatenmarktplatz
Der Technologiedatenmarktplatz für industrielle Maschinen der Automatisierungstechnik ist ein neuer Ansatz im Rahmen des Nationalen Referenzprojekts IUNO. Er orientiert sich im Wesentlichen an der Idee bereits existierender Marktplätze. Dem Technologiedatenmarktplatz wird dazu folgendes Szenario zugrunde gelegt: Bei der Auslieferung einer Maschine an einen Maschinenbetreiber stellt der Maschinenhersteller einen Grundumfang an Technologiedaten für Standard-Anwendungen zur Verfügung. Technologiedaten, die über den Grundumfang hinausgehen, kann der Maschinenbetreiber über den Technologiedatenmarktplatz kostengünstig in Form einer bedarfsgerechten Lizenz erwerben. In der IUNO-Vision von Industrie 4.0 werden die fehlenden Daten automatisiert über den Technologiedatenmarktplatz zur Verfügung gestellt. Die erforderlichen Technologiedaten sollen dabei über einen cloudbasierten Marktplatz gefunden, lizensiert und heruntergeladen werden können. Alternativ kann der Maschinenbetreiber den benötigten Technologiedatensatz selbst entwickeln und anderen Maschinenbetreibern über den Technologiedatenmarktplatz zum Kauf anbieten.

Über IUNO
IUNO, das Nationale Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in Industrie 4.0, vereint 21 Partner aus Industrie und Forschung und führt die wesentlichen Akteure im Themenfeld zusammen: Großunternehmen, Mittelständler, Anwenderunternehmen, spezialisierte IT-Sicherheitsunternehmen und führende Forschungseinrichtungen. Im Rahmen des Projekts werden Bedrohungen sowie Risiken für die intelligente Fabrik identifiziert und Schutzmaßnahmen entwickelt, die exemplarisch an vier Demonstratoren umgesetzt werden. Als Ergebnis werden möglichst allgemein verwendbare Lösungen für Herausforderungen der IT-Sicherheit im industriellen Anwendungsfeld zur Verfügung gestellt, die auf andere Unternehmen übertragbar sind und als Blaupausen für die sichere Industrie 4.0 herangezogen werden können. Das Referenzprojekt wird mit einem Gesamtvolumen von 33 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und läuft bis Juni 2018.
Partner von IUNO sind: accessec GmbH, Bosch Rexroth AG, Bosch Software Innovations GmbH, DFKI GmbH, Duravit AG, ESCRYPT GmbH, Fraunhofer AISEC, Fraunhofer IESE, Fraunhofer SIT, HOMAG Group AG, Infineon Technologies AG, Nobilia Werke, Phoenix Contact GmbH, Robert Bosch GmbH, Siemens AG, TRUMPF, TU Darmstadt, TU München, Universität Kassel, Volkswagen AG, WIBU-SYSTEMS AG. Projektkoordinator ist die HOMAG.